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17.10.2022,

Wir sind neu stolzer Medical Partner im Basketball

Arlesheim

Er zählt zu den grössten Basketballvereinen der Nordwestschweiz, brachte diverse Nationalmannschaftsspieler hervor und kann sich mit zahlreichen Titeln rühmen – die Sprache ist vom BC Arlesheim.


Über 15 Mannschaften, mit einem speziellen Fokus auf der Nachwuchsbewegung, verfolgen täglich ihre Leidenschaft und setzen sich dabei auch für eine sinnvolle, sportliche Freizeitbeschäftigung im Kinder- und Jugendbereich ein.

Vorbilder und damit die Basis für eine motivierte Nachwuchsbewegung sind die Spitzenmannschaften (Damen Nationalliga B, Herren erste Liga), welche wir seit diesem Jahr mit unserem Team der crossklink und dem Regionalspital Dornach zusammen in verschiedenen Bereichen unterstützen.


Als Medical Partner stehen wir den Athleten im Alltag und bei Spielen zur Verfügung, wenn medizinische Hilfe, Physiotherapie oder Sportwissenschaft benötigt wird.

Wir freuen uns auf eine langfristige, erfolgreiche und frohe Zusammenarbeit mit dem BC Arlesheim!

10.10.2022, Clara Koppenburg

Interview mit Madlaina Matter

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Madlaina Matter, Kapitänin vom Sm'Aesch Pfeffingen gibt uns Einblicke, in die Welt einer Profi-Volleyballspielerin.


Seit du 12 Jahre alt bist, spielst du bei Sm'Aesch Volleyball. Wie bist du ursprünglich zum Volleyball gekommen?

In meiner Primarschulklasse in Pfeffingen spielten so ziemlich alle Mädchen Volleyball. Als ich mich nach der Schule mit einer Freundin zum Spielen verabredete, musste sie zuerst noch ins Volleyballtraining und nahm mich mit. Die Trainerinnen integrierten mich gleich in die Übungen und seit dann ging ich einmal pro Woche in der Turnhalle in Pfeffingen ins Volleyballtraining.


War es schon immer dein großer Traum Profi-Sportlerin zu sein?

Als Kind träumte ich davon, Ärztin zu werden. Von der Profi-Sportlerin Madlaina habe ich nie geträumt, aber es ist jetzt traumhaft schön, dies so leben zu dürfen: Du kommst in die erste Mannschaft, versuchst dich dort zu behaupten. Dann bekommst du Spielzeit, darfst immer mehr Verantwortung übernehmen, nimmst mit der Nationalmannschaft an Länderspielen teil. Und plötzlich merkst du, dass du schon mitten im Profi-Sportler-Leben drin bist.


Was ist für dich das Besondere am Volleyball?

Es fasziniert mich, mit welcher Präzision man mit ganz einfachen Volleyballbewegungen den Ball millimetergenau an den richtigen Ort bringen kann. Es macht Spass zu sehen, wie sich mit gutem Training ganz verschiedene individuelle Persönlichkeiten zu einer Einheit formieren. Ich liebe es, immer wieder vor neuen Herausforderungen zu stehen, sich selbst zu verbessern und im Team zu wachsen.


Hast du oder ihr als Mannschaft ein Ritual vor dem Spiel?

Bevor ich mich auf den Weg in die Halle mache, nehme ich mir Zeit, etwas runterzufahren und mein Spiel zu visualisieren. Das gibt mir Sicherheit und ermöglicht mir auch, die Taktik im Kopf nochmals durchzugehen.


Hast du einen Tipp, wie man mit Niederlagen besser umgehen kann?

Ich tendiere dazu, nach einer Niederlage noch jede Aktion zu analysieren. Meist hilft es aber, wenn man zuerst etwas Distanz schafft und dann mit Hilfe der Videoanalyse die kritischen Punkte anschaut und diese in den nachfolgenden Trainings verbessert. Ich denke das beste Rezept ist Flexibilität: Manchmal tut es gut, über das Spiel zu reden, manchmal brauche ich einfach Ablenkung und spiele mit Freunden ein Gesellschaftsspiel oder esse mit meiner Familie.


Du studierst nebenbei noch Medizin. Wie bekommst du all das unter einen Hut?

Es erfordert viel Planung, Organisation und eine großartige Familie und Freunde im Hintergrund, die dich jederzeit unterstützen.

Ich stelle mir selbst die Anforderung, dass ich bei allem zu 100% fokussiert dabei bin. Wenn ich einen Block stelle, kann ich nicht gleichzeitig noch eine Untersuchungstechnik im Kopf durchgehen. Dies ist manchmal gar nicht so einfach, wenn man bis 16 Uhr im Spital am Arzt-Patienten-Unterricht teilnimmt und um 16.30 Uhr das Training in Aesch beginnt. Aber dafür muss man sich immer wieder selbst reflektieren und entwickelt auch gewisse unterstützende Techniken.


Gibt es Tage, an denen dir alles zu viel wird, du keine Motivation zum Training oder Lernen hast und falls ja, wie gehst du damit um?

Klar, ich denke so geht es doch jedem, oder nicht? In solchen Situationen hilft es, wenn man sich selbst an das Ziel erinnert, für welches man tagtäglich arbeitet. Gerne rede ich auch mit meinem Freund darüber und wir finden gemeinsam neue Ideen, wieder etwas mehr Zeit einzubauen, in der ich herunterfahren und Energie tanken kann.


In wenigen Wochen startet die neue Saison: Was sind deine persönlichen Ziele und wie sind die deiner Mannschaft?

Persönlich möchte ich jeden Tag ein Stückchen besser werden und mein Team dabei mitziehen. Wir wollen auf jeden Fall um den Meisterschafts- und Cuptitel mitspielen. Auf diese Herausforderung freue ich mich sehr.


Du verbringst viel Zeit mit deinen Teamkolleginnen – bei so vielen Mädels, ganz ehrlich: Herrscht bei euch Zickenkrieg oder Mädelsclique?

Da gibt es sicher manchmal Meinungsverschiedenheiten, aber die sprechen wir direkt an und sonst ist das am nächsten Tag vergessen. Wir arbeiten alle gemeinsam für ein Ziel, da müssen wir an einem Strang ziehen und unterstützen uns in allen Bereichen gegenseitig.


Über deine Teamkolleginnen:

Wer ist bei euch im Team der „Klassenclown“? Luna Becic

Wer ist bei euch im Team die „Team-Mami“? Maria Zernovic

Wer tritt bei euch im Team regelmäßig ins Fettnäpfchen? Tarah Wylie.

Wer ist bei euch im Team der „Ober-Streber“? Tabea Eichler und wahrscheinlich auch ich


Was begeistert dich neben dem Volleyball und Studium?

Sehr vieles! Sonnenauf- und untergänge anschauen. Kochen. Backen. Verschiedenste Sportarten ausüben wie Beachvolleyball, Langlauf, Joggen oder Tischtennis. Käffele. Tichu und andere Gesellschaftsspiele spielen. Sich mit Freunden und Familie über alles mögliche austauschen und philosophieren. Und, und, und... Das sind nur ein paar Beispiele und ich freue mich darauf, auch noch viele neue Aktivitäten zu finden, die mich begeistern werden.


Wo siehst du dich heute in 15 Jahren? Im Spital, Hausfrau und Mutter oder Volleyball-Profi?

Gerne würde ich dann im Spital oder in einer Praxis als Ärztin tätig sein. Bei Mutter und Hausfrau hat mein Freund auf jeden Fall auch noch ein Wörtchen mitzureden, aber das schließe ich sicher nicht aus.


Wenn du drei Adjektive wählen müsstest, die dich beschreiben, welche wären das?

Fröhlich, diszipliniert, reflektiert


Bei was kannst du nicht widerstehen?

Madeleines von Beschle, Pippo-Bowl und entspannte Zeit mit Freunden und Familie.


Seit einigen Jahren sind wir als crossklinik euer Medical Partner. Was bedeutet das für euch?

Es gibt sehr viel Sicherheit, wenn man sich mit medizinischen Fragen stets an die gleichen Personen wenden kann. Die Crossklinik ist rund um die Uhr für uns da und ermöglicht es uns, mit bester medizinischer Unterstützung auf höchstem Niveau zu performen.

22.08.2022,

Von der Reha auf den Mont Ventoux

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Die Radrennfahrerin Clara Koppenburg hat ihre größte Challenge geschafft. Am Mont Ventoux, dem Berg der Berge. Im Interview beschreibt sie ihren Weg nach oben.

Der Mont Ventoux: der mystische Gigant der Provence. Kaum ein anderer Berg hat in der Radszene so viele Geschichten geschrieben wie dieser 1912 Meter hohe Kalk-Klotz, den schon die Kelten als heilig verehrten. Majestätisch ragt er aus der Landschaft, unten scheint er noch freundlich und grün, eingebettet in endlose Lavendelfelder. Oben ist er karg und brutal, dem Menschen abgewandt, vergleichbar einer Mondlandschaft.

«Der Ventoux hat die Massivität des Berges, er ist ein Gott des Bösen, dem man Opfer bringen muss. Als wahrer Moloch, als Despot der Radfahrer, verzeiht er niemals den Schwachen, lässt sich einen ungerechten Tribut an Leiden bezahlen. Schon von seiner Gestalt her ist der Ventoux entsetzlich: er ist kahl, das Prinzip des Trockenen selbst; sein absolutes Klima (er ist viel eher eine klimatische Essenz als ein geographischer Raum) macht ihn zu einem Terrain der Verdammnis, zu einem Ort der Prüfung des Helden, gleichsam zu einer oberen Hölle, in welcher der Fahrer den Beweis seiner Erwähltheit erbringen wird.» Das schrieb der französische Philosoph und Schriftsteller Roland Barthes in seinem Essay «Die Tour des France als Epos».

Heute sprechen wir mit Clara Koppenburg aus Lörrach, professionelle Rennradfahrerin für das französische Team Cofidis. Als Kletterspezialist sind lange und steile Berge für sie eigentlich keine Besonderheit. Anders der Mont Ventoux, den sie bei der in diesem Jahr erstmalig stattfindenden Mont Ventoux Challenge für Frauen bezwingen konnte. Clara rang nicht nur diesen Giganten nieder, sondern als zweite, knapp hinter der Italienerin Marta Calvalli (FDJ), auch den Rest des Feldes. Insgesamt mussten die Fahrerinnen knapp 100 Kilometer und 2700 Höhenmeter bestreiten. Den virtuellen QOM (Queen of the Mountain: 1209hm, 24,04km) hat Clara für sich entschieden mit einer Zeit von 1:03:42 Stunden.


Clara, du warst oben, auf dem Gipfel des Mont Ventoux. Sag, warum war das in jeder Hinsicht dein persönlicher Höhepunkt?

Im vergangenen Jahr habe ich mir beim Giro Italia eine starke Becken- und Schulterfraktur zugezogen. Insgesamt drei Monate musste ich komplett pausieren, wovon ich ganze vier Wochen im Merian Iselin Spital und anschließend weitere vier Wochen in einer Reha Klinik in Deutschland war. Zu diesem Zeitpunkt war die Vorstellung, einen solchen Berg (schnell) hochzufahren, unvorstellbar.


Wie bist Du zurück auf den Sattel gekommen?

Ab dem Tag der Entlassung habe ich täglich in der Crossklinik Physiotherapie erhalten und im Ausmass der Möglichkeiten für mich «trainiert». Der ganze Weg der Reha war physisch und psychisch nicht einfach, mit vielen Schmerzen und mentalen Rückschlägen verbunden.


Wie kommt man in dieser schweren Zeit darauf, ausgerechnet an den Mont Ventoux zu denken?

Anfang Oktober haben meine Familie und ich ein Wochenende Urlaub in der Region vom Mont Ventoux gemacht. Dies war das Wochenende, an dem ich das erste Mal wieder draußen Rad fahren konnte. Es waren zwar nur 30km auf dem E-Bike meiner Mama, aber dennoch war es einfach ein wunderschönes Gefühl. Ein Gefühl der Erleichterung, ein Gefühl von Freiheit und die Bestätigung, dass mich Radfahren in der Natur einfach unendlich glücklich macht. Und an diesem Wochenende habe ich auch das erste Mal den Mont Ventoux in der Realität gesehen. Ich kannte den Berg von Erzählungen, Bildern und Fernsehen, doch ihn dann wahrhaftig vor mir zu sehen, war unglaublich.


Was ging da in Dir vor?

Zu diesem Zeitpunkt war der Berg für mich unüberwindbar. Im Leben hätte ich mir nicht vorstellen können, auch nur die ersten Kilometer zu bestreiten. Und genau das war der Moment, an dem mich mein Ehrgeiz gepackt hat. Ich wusste, dass im Jahr 2022, also nur acht Monate später, die erste Edition der Mont Ventoux Challenge für Frauen dort stattfinden würde und ich habe innerlich eine Wette mit mir abgeschlossen, dass ich dort an der Startlinie stehen möchte. Und nicht nur das: Mein Ziel war es, unter die besten 10 zu fahren.


Eine Wette? Nach einer derart schweren Verletzung?

Das hat mich enorm angetrieben und meine Willenskraft, mich zurückzukämpfen, wieder richtig hervorgebracht. Mit dem E-Mountainbike bin ich gestartet, dann kam das E-Gravelbike, bis ich schließlich wieder auf einem E-Rennrad saß, um mich langsam an die Sitzposition und das Fahrgefühl zu gewöhnen.


Und wie ging es dann weiter?

Neben der langsamen Steigerung draußen, habe ich täglich etwa 3-4 Stunden in der crossklinik trainiert. Stabilitäts- und Kräftigungsübungen, sowie Einheiten auf dem Radergometer waren Hauptbestandteil der Reha. Bereits im Dezember konnte ich mit meinem neuen Radteam ins Trainingslager nach Spanien, Ende Februar bin ich meine ersten Rennen gefahren und so meinem Ziel immer nähergekommen. Gute Trainingswerte und die ersten Erfolge haben mich motiviert und mir Selbstbewusstsein gegeben und zunehmend habe ich mich auf den Mont Ventoux gefreut.


Dann stand die Challenge an. Erzähl, wie hast du dich dem Berg angenähert?

Um bestmöglich auf das Rennen vorbereitet zu sein, bin ich unabhängig von meinem Team ein paar Tage früher angereist und bin die gesamte Rennstrecke abgefahren, um einen ersten Eindruck zu bekommen. Aus verschiedenen Erzählungen habe ich gehört, dass der Mont Ventoux kein normaler Berg ist. Durch die klimatischen Veränderungen, die teilweise starken Winde, die Höhe und die helle, karge Landschaft erscheinen einem gerade die letzten 6 Kilometer endlos lang. Bei meiner persönlich Streckenbesichtigung hatte ich im Vorfeld unheimlich Respekt, doch als ich oben angekommen bin, habe ich pure Freude empfunden und innerlich gewusst, dass ich ein gutes Rennen fahren kann.


Und dann kam der große Tag.

Innerlich war ich sehr aufgeregt und angespannt, dennoch habe ich mich sehr auf das Rennen gefreut. Es erschien mir fast wie eine Belohnung für die ganze harte Arbeit, die ich in mein Comeback gesteckt habe. Und tatsächlich, das Rennen verlief für mich ideal.


Wie bist du es angegangen?

Ich habe versucht, bis zum Schlussanstieg möglichst viel Energie zu sparen und so locker wie möglich zu bleiben. Bis 6 Kilometer vor Ziel waren wir noch eine relativ große Gruppe, aber dann ging das Feuerwerk los. Es wurde attackiert, das Tempo wurde rasant verschärft und ohne es wirklich zu merken, waren wir irgendwann nur noch fünf Fahrerinnen.


Ein Fünfkampf...

Gewissermaßen. Nachdem ich zwei Attacken gefolgt bin, kam der Konter von Marta Cavalli. Ich war die Einzige, die ihr noch kurz folgen konnte, aber dann musste ich auch abreißen lassen und so bin die letzten 3 Kilometer mein eigenes Tempo gefahren.


Wie war das da oben?

Es fühlte sich episch an. Leute haben uns zugejubelt, alles im Körper tat weh, die Beine haben gebrannt, die Lunge hat gepumpt, das Laktat hat alles im Körper kribbeln lassen.


Ein Kampf gegen alle Widrigkeiten dieses Sports?

Schlimm ist, dass man das Ziel ununterbrochen vor sich sieht, man jedoch das Gefühl hat, ihm nicht näher zu kommen. Vor mir Marta, hinter mir zwei weitere Fahrerinnen. Worte wie «jeder leidet», «nur noch ein paar Minuten, dann hast du es geschafft», «wenn du jetzt aufgibst, bereust du es», «Clara, reiß dich zusammen», «du schaffst das»… Es ist schwer zu beschreiben, was in solchen Momenten im Körper und Kopf vorgeht. Ich habe alles gegeben und als ich dann endlich um die letzte Kurve gebogen bin, das Ziel noch 50 Meter entfernt war und ich wusste, dass ich auf jeden Fall zweite werde, habe ich ein Gefühl der puren Erleichterung und Freude gespürt. Das schönste war, dass mich im Ziel mein Papa erwartet und in den Arm genommen hat.


Und danach?

Ich war so unfassbar stolz auf mich, dass sich der zweite Platz wie ein Sieg angefühlt hat. Dieses Rennen hat mir gezeigt, dass ich – wenn ich an mich glaube – meinen eigenen Weg gehe und hart arbeite, meine gesetzten Ziele erreichen kann. Ich kann mir kaum eine andere Situation im Leben vorstellen, in der man solche Emotionen spürt.

Und genau das sind die Momente, die mich täglich antreiben, im Training und im Leben alles zu geben.

04.08.2022,

Beat the Heat – Wie ein heisses Bad nach dem Sport die Leistung bei Hitze steigern kann

Pexels karolina grabowska 5240786 2

Weltmeisterschaften in Doha, Olympische Spiele in Tokio und Giro in Italien – Sportler müssen oft bei Temperaturen über 35 Grad Höchstleistungen vollbringen. Dabei ist die Hitze einer der größten Feinde der Leistung. Um sich abzukühlen, beginnt der Körperstark zu schwitzen. Nebst dem hohen Wasser- und Elektrolytverlust ist das Schwitzen auch eine zusätzliche Belastung fürs Herz-Kreislauf-System und führt zu einer frühzeitigen Ermüdung und einem Leistungsabfall.

Um dem entgegenzuwirken, sollten Sportler 10 bis 14 Tage bei Hitze trainieren, um sich an die klimatischen Bedingungen beim anstehenden Wettkampf anzupassen.

Das Ergebnis der Wärmeakklimatisierung ist ein Absinken der Körpertemperatur, eine Ausdehnung des Blutplasmavolumens und eine Zunahme der Schweißrate. Diese Anpassungen verbessern die Leistungsfähigkeit der Athleten bei hohen Temperaturen.


Leider ist eine Hitzeakklimatisierung oft nicht einfach in der Umsetzung, da sie entweder einen Umzug in eine heiße Region oder ein tägliches Training in Wärmekammern erfordert. Beide Optionen der Wärmesimulierung sind nicht billig, unpraktisch oder teils nicht umsetzbar.


Eine einfache Methode, den Körper an die Hitze zu gewöhnen, ist ein heißes Bad direkt nach dem Training.


In einer Studie untersuchte Zurawlew, Walsh, Fortes und Potter (2015), ob das tägliche heisse Baden nach dem Training eine Hitzeakklimatisierung induziert und die Ausdauerleistung unter heissen Bedingungen verbessern würde. Getestet wurden 17, nicht hitzeakklimatisierte Athleten, über einen Interventionsdauer von 6 Tagen, welche einen täglichen 40-minütigen Lauf auf dem Laufband bei 65 % der VO2mx unter standardisierten Bedingungen (18°) umfasste. Die Testgruppe (n=10) nahm unmittelbar nach dem Training ein 40-minütiges Bad bei 40°, während die Kontrollgruppe (n=7) ein thermoneutrales (34°) Bad zu sich nahm. Vor und nach der 6-tägigen Intervention absolvierten die Teilnehmer einen 5 Kilometer Lauf bei hohen Temperaturen von 33°.

Die Testgruppe zeigte eine niedrigere Körperruhetemperatur und eine tiefere Körpertemperatur bei Belastung. Auch war die empfundene Anstrengung bei der Testgruppe geringer und es wurde eine Leistungssteigerung von 4.9% bei den hitzeakklimatisierten Athleten gemessen. 2015 John Wiley & Sons A/S. Published by John Wiley & Sons Ltd.


Der Hitzestress nach dem Training verbessert die Hitzeanpassung auf zellulärer Ebene, da der Wert von mitochondrialen Enzymen in der Skelettmuskulatur steigt. Dies führt zu einer verbesserten Fitness.

Auch die kardiovaskuläre Gesundheit wird bei regelmäßigen heißen Baden nach dem Sport gesteigert.

Sportler haben nach harten Trainings und Wettkämpfen vorrübergehend ein geschwächtes Immunsystem. Heiße Bäder nach dem Sport stimulieren das Immunsystem und können dadurch das Risiko einer Infektion verringern.

Somit kann das heiße Baden nach dem Training eine einfache, praktische und effektive Hitzeakklimatisierungsstrategie darstellen, um die Ausdauerleistung in der Hitze zu verbessern.


Praktische und Sicherheitsrichtlinien

Da bei nicht richtiger Durchführung oder dem Ignorieren von körperlichen Warnsignalen ein Hitzeschlag drohen kann, werden folgende Empfehlungen zu praktischer Anwendung von heissen Bädern nach dem Sport gegeben:

Unmittelbar nach einer moderaten Sporteinheit sollte ein heisses Bad (40°) über etwa 15 Minuten eingenommen werden. Dabei kann die Dauer von Mal zu Mal bis zu 5 Minuten gesteigert werden. Die Temperatur im Wasser sollte sich «heiss» aber nicht so heiss anfühlen, dass es weh tut. Unbedingt auf körperliche Warnsignale oder innere Bedenken hören und das Prozedere beenden.

Nachdem man aus der Wanne steigt, wird empfohlen, sich einige Minuten hinzusetzen, um leichte Kopfschmerzen oder Schwindel zu vermeiden.

Möchte man sich unmittelbar vor einem Wettkampf an die Hitze gewöhnen wird zu einem täglichen Baden, angefangen etwa 10 Tage vor dem Ereignis, geraten. Bei dem Wunsch einer langfristigen höheren Hitzetoleranz kann dieses «Wärmetraining» alle zwei bis drei Tage in den Trainingsplan miteingebaut werden.


Referenzen: Zurawlew, Walsh, Fortes, Potter. Post-exercise hot water immersion induces heat acclimation and improves endurance exercise performance in the heat. Scand J Med Sci Sports DOI: 10.1111/sms.12638

21.07.2022, Clara Koppenburg

Nicole Scheidegger — Velokurierin & Ultradistanzfahrerin

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Egal ob eine Everesting Challenge über 10.000 Höhenmeter oder 1000 Kilometer vom Bodensee bis nach Montreux – für Nicole Scheidegger ist keine dieser Ultratouren auf dem Rad eine unüberwindbare Challenge.
Wie sich Nicole auf diese vorberietet und was sie motiviert, erfahrt ihr im folgenden Interview.


Erzähl uns doch, wie du zu deiner Leidenschaft gekommen bist?

Ich komme nicht aus einer typischen Sportlerfamilie. Ich hatte aber schon immer den Drang mich zu bewegen. So fing ich zur Schulzeit mit joggen an, einfach weil das günstig ist und man es überall machen kann. Als ich mich etwas später für einen veganen Lebensstil entschied, lernte ich einige vegane auchTriathlet*innen kennen. Fasziniert von diesen, wollte ich unbedingt auch mehr Rad fahren. Mit 17 kaufte ich mir mein erstes Rennrad. Während dem Training für die ersten Wettkämpfe habe ich schnell gemerkt, dass ich viel lieber stundenlang auf dem Rad sitze als kurze Einheiten zu fahren. Nach nur einer Saison mit einem Triathlon und einigen Duathlons (Schwimmen wurde einfach nie meins) änderte sich mein Plan und ich fuhr immer längere Strecken. Meine ersten 200 km bin ich im Dezember 2015 gefahren, weil ich einfach so Lust hatte.


Was machst du beruflich und wie vereinst du Job und dein ganzes Training? Wie viele Stunden/Kilometer fährst du in der Woche/ Jahr?

Ich bin seit über drei Jahren in der Kurierzentrale als Velokurierin unterwegs. Ich habe aber eigentliche eine Ausbildung zur Biologielaborantin abgeschlossen, wurde dort aber nie so ganz glücklich.

Es ist tatsächlich nicht ganz so einfach meine Arbeitsschichten mit privaten Fahrten zu verbinden, als man vielleicht im ersten Moment denkt. Es ist zwar auch eine Art Training, aber ich muss durch die Belastung meine Freizeit anpassen. Ich habe dadurch gelernt, wie wichtig Erholung ist. Statt einem genauen Trainingsplan zu folgen, konzentriere ich mich viel mehr darauf, was mein Körper an Erholung braucht. Dazu gehören natürlich Dehnen, Blackroll, Massagen, Dry Needling, aktive Erholung, Kälte, Wärme, usw. Ich bin da mittlerweile fast eine Expertin und es kann auch Spass machen.

Ich fahre im Schnitt 2-3 Stunden Rad pro Tag, das sind dann 10‘000-15‘000 km im Jahr, je nachdem wie viel Rennrad und Mountainbike dabei ist. Die Kurierschichten machen davon etwa 200 km in der Woche aus. Das alles ist dann aber aufgeteilt auf 4-5 Tage die Woche.

Langsam nimmt mir die Arbeit aber auch zu viel Energie und Zeit fürs Radfahren weg und es wird auch noch dieses Jahr berufliche Änderungen bei mir geben, auf die ich mich sehr freue.


Welche Events/Strecken hast du bereits absolviert? Gab es einen Favoriten?

Ich bin letztes Jahr das HOPE1000 gefahren: 1000 km und 30‘000 Höhenmeter - vom Bodensee bis nach Montreux mit dem Mountainbike über Stock und Stein.

Das war sehr anstrengend, aber es macht einfach Spass ganz alleine den ganzen Tag in der Natur zu sein. Zudem habe ich schon zwei Everesting gemacht, eines davon ganz typisch 8848 Höhenmeter an einem Aufstieg und das zweite in Form von „everestingROAM“. Hierbei ist man frei was die Route betrifft, muss aber mindestens 10‘000 Höhenmeter und 400 km fahren und das innerhalb von 36 Stunden. Beim ersten darf man nicht schlafen, beim zweiten schon. Ich mag solche Challenges, weil man sie immer und überall machen kann und man ist von keinem offiziellen Event oder Datum abhängig. Nur du, dein Rad und die Natur (und das Wetter). Deswegen fahre ich auch gerne einfach alleine längere Radtouren. 2017 war ich 3 Monate in Österreich und Deutschland unterwegs, 2019 ein Monat in Frankreich. Da nehme ich es aber für meine Verhältnisse gemütlich. (letzteres 3200 km in 28 Tagen)


Wie organisierst du dich bei einem solchen Event? Verpflegung, Material, Strecke, Gepäck…?

Mir sagt bei diesen Events am meisten zu, dass man alles, wirklich alles selber machen muss. Es gibt kein Supportauto und niemand der Übernachtungen und Hilfe organisiert. Das gibt einem unendlich viel Freiheit. Man kann schlafen, essen und stoppen, wo und wann man will und ist von niemandem abhängig. Das heisst aber auch, dass man all sein Zeug selber mitschleppen muss. Mittlerweile gibt es aber Bikepackingtaschen in allen Formen und Grössen für überall am Rad. Das war vor 5 Jahren noch nicht so. Da gab es eine Satteltasche und eine Lenkertasche. Jetzt hat man die Qual der Wahl. Ich habe seit kurzem auch eine Rahmentasche, die sehr praktisch ist. Gepäck wie Isomatte, Schlafsack, Kleidung, Hygieneartikel, Werkzeug, Ersatzmaterial, Elektronik wie Powerbank und Kabel und viel Essen, gehörten zum Bikepacking mit dazu. Je nachdem wo man unterwegs ist, muss man das aber gut planen. Da sind wir in der Schweiz mit einem Laden oder Tankstelle all 2 km viel zu verwöhnt. Ich habe aber auch schon mit dem Mountainbike eine Route im Jura geplant, auf der ich dann einen ganzen Tag lang kein Essen kaufen konnte. Für die letzten 700 km ans Nordkap haben wir auch eine Auflistung aller Unterkünfte und Läden erhalten, die auf zwei A4 Seiten Platz haben. Da hat man dann mehrmals 50 km lang einfach nichts und ich freue mich schon sehr darauf.


Was war dein bisher bester Moment?

Ich weiss nicht, ob es einen bestimmten Moment gibt, aber es ist immer sehr speziell und aufregend nachts zu fahren. Dafür braucht man natürlich gutes Licht und dann ist es oft sogar sicherer als am Tag, weil es einfach viel weniger Verkehr gibt. Autos überholen mit 3 Meter Abstand, einfach weil der Platz da ist! Man sieht und hört andere Dinge, erlebt wunderschöne Sonnenaufgänge und -untergänge und es ist sehr cool, wenn man morgens um 6 Uhr schon 100-200 km auf dem Tacho stehen hat, wenn man an der ersten Bäckerei stoppt.


Erzähl uns mehr über deine Everesting-Challenge: (Daten, Gefühle, Vorbereitung, Post-Challenge-Feeling…)

Mein erstes Everesting an der Grossen Scheidegg war sehr speziell für mich. Es war auch die erste grosse Challenge, von der ziemlich viele Leute wussten. Ich erzähle sonst meine Pläne nur engen Freunden und die restlichen Leute überrasche ich auf Instagram und Strava. Für mich war also klar, dass ich es schaffen muss und ich habe mich deswegen sehr gut darauf vorbereitet. Ich wusste, dass es mental schwieriger wird als körperlich. Der Körper hat irgendwann ein Level erreicht, bei dem er fast alles mitmacht. Der Kopf kann aber sehr laut sein. Ich wusste, dass ich mindestens 9x denselben Anstieg hochfahren muss, also bin ich im Training in der Umgebung schon ständig die gleichen Anstiege immer wieder hochgefahren, um mich an das Gefühl zu gewöhnen. Das Wetter spielte an Tag X auch relativ gut mit. Das erste Gewitter kam erst am Abend spät und zwingte mich zu einer längeren Pause. Als Fahrzeit hatte ich an sich weniger als 16 Stunden, aber mein Pausenmanagement hat das Ganze auf knapp 23 Stunden erhöht. Aber das war ok, ich hatte keine Ahnung, wie alles laufen wird. Es war danach so oder so ein geiles Gefühl.

Mein everestingROAM letztes Jahr war eher so das Gegenteil. Ich hatte noch Ferien, mir war langweilig und ich war noch im Modus kurz nach dem Hope. So stieg ich eines Sonntagabends heimlich in den Zug und schrieb nur einem Freund, was ich gerade vorhabe. Ich war kurz nach 20 Uhr in Meiringen und ich hatte meiner Meinung nach eine ziemlich gute Route geplant. Ich habe nur nicht ganz bedacht, dass es auf 2400 müM mitten in der Nacht ziemlich kalt sein wird. Ich war dann so vernünftig und habe nach dem ersten Mal Grimselpass schon eine Pause eingelegt. Ich hatte meine Notfall-Isomatte und Biwaksack dabei, deswegen war das kein Problem. Diese Challenge gibt es aber in zwei Versionen und so musste ich auf die andere wechseln. Kurz gesagt: ich wollte einfach die 10‘000 Höhenmeter ohne Schlaf möglichst schnell schaffen, musste dann aber wegen Schlaf noch auf 400 km erhöhen – ich glaube es wären sonst 300 km gewesen – und das Ganze in 36 Stunden schaffen. Als ich etwa 6000 Höhenmeter hatte, dämmerte mir langsam, was mir noch bevorsteht und dass ich definitiv schon bessere Ideen hatte. Ich habe es aber in der Zeit am Morgen nach der zweiten Nacht geschafft. Ich brauchte etwa 35.5 Stunden. Ich habe die ganze Aktion schon ein bisschen bereut, aber mittlerweile kann ich auch drüber lachen. Es hat mir zwar meine Grenzen und die der Natur gezeigt, aber ich habe es trotzdem geschafft, was mich sehr stolz macht.


Gab es eine Sache, die du über dich selbst gelernt hast durch solche Events? Wie haben dich solche Events/Touren verändert?

Solche Challenges zeigen mir immer wieder, dass die mentale Stärke viel mehr ausmacht als die körperliche Verfassung. Natürlich braucht es eine Grundausdauer, aber wenn man diese einmal hat, kann man wirklich fast Berge versetzen. Oder sie einfach immer und immer wieder hoch- und runterfahren :D Mein Selbstvertrauen wurde dadurch sicher auch viel grösser und ich kann mich auch bei nervigen Aufgaben im Alltag daran erinnern, die mir manchmal zu schwierig vorkommen.


Wie bereitest du dich vor?

Ich schaue, dass ich und mein Rad bereit sind und den Rest lass ich tatsächlich auf mich zu kommen. Das hat mittlerweile ein Ausmass erreicht, dass es mich manchmal stresst, wenn ich am Abend davor entscheiden muss, wo ich übernachte. Kontrollfreaks können definitiv keine Ferien mit mir machen. Ich fühle mich fast am sichersten, wenn nichts fix ist und ich mich spontan entscheiden kann.


Was für Material fährst du (Rad, Klamotten, Reifen…)

Ich fahre momentan ein Rennrad von Argon 18 mit Scheibenbremsen. Das ist leicht und die Scheibenbremsen helfen sehr beim Bremsen bei so vielen Höhenmetern. Bei der Kleidung achte ich darauf, dass ich für jegliche Temperaturen wechseln kann. Armlinge und Beinlinge sind also ein Muss. Für Mehrtagestouren ist leider Merinowolle (leider weil nicht vegan..) echt ein Gamechanger. Ich kann Baselayer und Socken tagelang tragen, ohne dass sie stinken. Bei meinem Trikot ist das auch ein wichtiger Faktor, obwohl ich da kein Merino trage. Zudem sollte es sehr elastisch sein, weil ich die Rückentaschen teils sehr überbelaste.


Was darf niemals auf einer Radtour fehlen?

Bei längeren Touren: Definitiv mein Plüschtier! Das hat die beste Aussicht direkt hinten auf der Satteltasche und eine leckere Cola.


Hast du ein Ritual nach einem Event? Worauf freust du dich am meisten beim Überqueren der «Ziellinie»? (Spezielles Essen, Getränk, Dusche…)

Eine ausgiebige Duschen ist definitiv sehr motivierend. Wenn ich länger im Ausland war, freu ich mich oft auf Essen und Eistee hier in der Schweiz. Ansonsten lasse ich aber gerne nachwirken und es kann sein, dass ich mehrere Stunden einfach nichts tue und nur verweile.


Wie motivierst du dich während Ultra-Distanzen und wie überwindest du Tiefpunkte?

Mir hilft es, die Distanz in kleine Etappen zu teilen und nicht am ersten Tag daran zu denken, wo ich am letzten Tag sein soll. Wenn ich merke, dass meine Stimmung im Keller ist, versuche ich meine Einstellung zu ändern und mich nicht mehr ganz so ernst zu nehmen. Es gibt von SXTN ein gutes Lied, das mir dabei sehr hilft. Es heisst „heul doch“ und zeigt mir dann immer, wie privilegiert ich bin, gerade unterwegs zu sein.


Was sind deine 3 Tipps für Menschen, die ähnliches vorhaben?

1. Nicht mit anderen Menschen vergleichen! Man findet immer eine Person, die weiter kommt und schneller oder besser ist.

2. Erfahrene Menschen nach Tipps fragen oder zusammen eine Tour machen.

3. Es nicht zu ernst nehmen. Es soll Spass machen und der Weg ist das Ziel! Das gilt hier wirklich.


Was sind deine Ziele für 2022?

Deadends&cake:

5 Sackgassen in der Ostschweiz, bei denen es Kuchen gibt. Werden 400-500 km und sicher 9000 Höhenmeter. Das fahre ich zusammen mit einer Freundin und wir haben kein bestimmtes Ziel ausser Kuchen.

Nord Cap 4000:

3800km von Rovereto in Italien ans Nordkapp in Norwegen. Das ganze «Event» ist «self-supported» und die Uhr steht nie still


Gibt es sonst noch etwas, was Menschen über dich wissen sollten?

Ich habe viel mehr Angst als die meisten Menschen denken. Nur weil ich alleine unterwegs bin, bin ich nicht furchtlos. Ich bin ständig unsicher und stelle alles in Frage und wünschte, ich wäre einfach zuhause im Bett. Aber das gehört dazu und ich wurde bis jetzt immer belohnt.


Gibt es ein Event, was du UNBEDINGT noch machen möchtest?

Definitiv „The Transcontinental Race“. Ich war auch schon zweimal auf der Startliste. Einmal kamen private Umstände dazwischen und beim zweiten Mal Corona. Das ist auch der Grund, warum ich mich dieses Jahr fürs NC4K entschieden habe.

Foto: Pablo Wünsch Blanco

21.06.2022, Clara Koppenburg

Josephine Meissner – Trailäuferin

Josephine Meissner 3

Beim Trailrunning reicht die Geländevielfalt vom Trampelpfad um die Ecke, über dichte Wälder, Flussufer bis hin zu anspruchsvollen Hochgebirgspfaden. Im Vordergrund stehen hierbei das Erleben der Natur und der Spaß am abwechslungsreichen Laufen.

Durch Unebenheiten und anspruchsvolle und abwechslungsreiche Gelände, trainiert das Trailrunning, neben dem Herz-Kreislauf-System, den gesamten Bewegungsapparat. Vor allem wirkt sich Trailrunning aber auch Körper und Geist aus, da Konzentrationsfähigkeit gefragt ist und das Bewegen in der Natur erwiesenermaßen gut für uns ist.


Wir trafen die sympathische Athletin Josefine Meissner, die uns mehr über Trailrunning erzählt.

Josephine lebt und arbeitet in Basel als Physiotherapeutin, doch das stoppt sie nicht, die Welt mit dem Rad oder zu Fuss zu erkunden. Von Golden Trail Series über Schweizermeisterschaft bis hinzu Crossing Iceland ist Josephine am Start.

Wir wollen wissen, wie Josephine sich auf diese Läufe im Gelände vorbereitet, wie sie dies mit ihrem Job vereinen kann und was sie dazu bewegt, mehrere Stunden täglich zu trainieren.


Seit wann machst du Trail Running und wie bist du dazu gekommen?

Wirklich regelmäßig trainiere ich erst seit 3 Jahren. Ich bin zwar auch vorher schon fast täglich gelaufen aber ohne Plan, mehr nach Lust und Laune. Mein Interesse am Trailrunning wurde 2012 in Neuseeland geweckt. Dort hatte ich das Glück bei einer Familie zu leben, die permanent auf Trails mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs war. Nach meiner ersten Woche in Neuseeland haben sie mich für ein 12h-Mountainbikerennen angemeldet. Mit meinen anfangs schlechten Englischkenntnissen hatte ich allerdings keine Ahnung, für was ich mich angemeldet hatte und mit nur 15 Jahren konnte ich meine Altersklasse natürlich gewinnen, da sonst niemand unter 16 alt war. Nach meinem Austauschjahr in Neuseeland war mein Interesse am Ausdauersport geweckt.


Was macht dir dabei so viel Spaß?

Große Distanzen in Gelände zurücklegen und dabei Unvorhergesehenes erleben und neue, abgelegen Orte entdecken. Im hochalpinen Bereich ist alles noch einmal viel extremer. Die Exponiertheit, das Wetter, die Menge von Höhenmetern bis auf einen Gipfel, die Einsamkeit, die Ruhe. Extreme Dimensionen für das Laufen.

Mir liegt das technisch anspruchsvolle Laufen im Gelände zu dem es schon fast etwas Mut braucht. Abgesehen davon bin ich ein Wettkampftyp und liebe Herausforderungen.


Welche Rennen und Events strebst du dieses Jahr an?

Letztes Jahr habe ich aussetzen müssen: Pfeiffrisches Drüsenfieber. Nichts ging mehr. Ich war froh, die Treppe hochzukommen. Aber seit letztem Winter bin ich wieder im Aufbau. Zum Warmwerden habe ich vor, ein paar kleine Rennen der Jura-Top-Tour und ein Halbmarathon auf der Straße zu absolvieren. Dann gehts los mit dem Swiss Canyon Trail und der Golden Trail Series: TOP20RUN Gornergrad Zermatt und Sierre Zinal. Dazwischen eventuell noch die Berglauf SM und zum Schluss noch die Swiss Trail Tour.


An welchen Events hast du bisher teilgenommen und gab es Favoriten?

Ich mag die kleinen Veranstaltungen in der Region mit den interessanten Streckenprofilen. Aber der Fokus liegt natürlich auf größeren Wettkämpfen, wo ich mich national und international mit anderen Läuferinnen messen kann. Dort sind meine Favoriten Sierre Zinal, Swiss Canyon Trail, Bernina Utraks, Eiger Ultra oder Swiss Alpine.


Wie bereitest du dich auf die Trail-Running-Events vor? (Welche Art von Training, wie viele Stunden pro Woche etc.)

Ich würde sagen, dass das Training sehr ähnlich ist wie bei einem Marathon Läufer außer, dass ich meine Dauerläufe oft auf Trails mache und die Intervalle regelmäßig am Berg.

In den letzten Jahren habe ich im Schnitt zwischen 12 bis 15 h pro Woche trainiert. Jetzt habe ich endlich das relativ zeitintensive Studium abgeschlossen und möchte den Umfang dieses Jahr noch deutlich steigern.


Wie vereinbarst du die Arbeit mit dem Training?

Ich arbeite momentan nicht 100% was es mir erlaubt, vor und nach der Arbeit zu trainieren. Außerdem habe ich als Physiotherapeutin die Möglichkeit, gewisse Trainingseinheiten (z.B Krafttraining) direkt am Arbeitsort zu machen und kann so auch meine Mittagspause effektiv nutzten.


Welche Tipps hast du für andere Trail-Runner?

Abwechslung hilft dabei, den Spaß nicht zu verlieren und motiviert zu bleiben. Der Ausgleich mit anderen Sportarten wie Bergsteigen, Skimo oder Renn-/Gravelrad erweitern die Fähigkeiten und sind ein großartiger Weg, zusätzlich an der Fitness zu Arbeiten.

Mit Freunden trainieren ist ein anderer Tipp, um das Training abwechslungsreich zu halten oder um sich für intensive Einheiten etwas Unterstützung zu sichern.


Was ist dein «Must have piece” für die Läufe? (Spezielle Schuhe, Hose, Gel…)

Das Wichtigste für mich ist die eigene Verpflegung und natürlich meine eigenen Laufschuhe. ;)


Hast du ein bestimmtes Ritual, um in den Flow zu kommen oder einen Trick, wenn du während dem Lauf einen Tiefpunkt erlebst?

Vor dem Wettkampf und während dem Aufwärmen, höre sehr gern Musik.

Der Tiefpunkt während eines Run’s kommt sicher! Wenn nicht, war man zu langsam unterwegs ;)

Mir hilft es, mental auf dem Tiefpunkt vorbereitet zu sein (Visualisierung) und dann Strategien parat zu haben, um zu verhindern, in Negativspiralen mit den Gedanken zu kommen.


Wie verpflegst du dich während dem Rennen?

Bei den Wettkämpfen konzentriere ich mich momentan auf Distanzen zwischen 20 und 50 Kilometern. Auf diesen Stecken verpflege ich mich mit Gels und Kohlenhydratgetränken. Ich nehme im Schnitt alle 30 Minuten etwas zu mir, außer die Wetterbedingungen sind extrem. Die Verpflegung, während einem steilen Aufstieg, ist oft einfacher, da das Tempo tiefer ist und je nach dem sogar gelaufen/gegangen werden kann, ohne dass ich Tempo/Zeit verliere.

Je nach Trainingseinheit, verpflege ich mich dort mit Gels oder ausschließlich Kohlenhydratgetränken. Auf den ganz langen Dauerläufen sind es auch mal salzige Nüsse oder ein Riegel.


Gibt es etwas, auf das du dich, während dem Laufen am meisten freust, sobald du im Ziel bist?

Den Sieg oder ein gute Ergebnisse falls es gut läuft ;-)

Aber oft sind es auch so banale Dinge, wie Chips oder ein anschließendes Bad in einem kalten Bergsee oder Fluss.


Neben den Trail-Läufen strebst du auch eine Island Radtour an. Erzähl uns mehr darüber!!!

Diesen Sommer reise ich mit meinem Gravel Bike nach Island.

Mein großes Ziel: Als erste Frau, eine dokumentierte Unsupported-Nonstop-Überquerung des isländischen Hochlands in möglichst unter 24 Stunden, zu absolvieren. Distanz: ca. 400 Kilometer mit 4000 Höhenmetern.

Die Strecke führt zu 90 % über Schotter- und Vulkangestein durch die größte Trockenwüste Europas. Auch speziell: zahlreiche heikle Flussüberquerungen zu Fuß.

Um zu wissen, was auf mich zukommt und um das Vorhaben besser einschätzen zu

können, werde ich einen Großteil der Strecke zweimal absolvieren. Das erste Mal über mehrere Tage verteilt als Erkundung mit dem Zelt von Süden her. Das zweite Mal als Versuch, nonstop an einem Tag. Diesmal die direkteste Strecke vom Norden zurück in den Süden. Anschließend fahre ich gemütlich weiter und erkunde andere Gebiete in Island und bade in heißen Quellen bis ich Schwimmhäute bekomme.


Zu guter Letzt: Gibt es ein Traum Event/ Wettkampf, an dem du irgendwann einmal teilnehmen möchtest?

Mein nächstes großen Ziel ist es die gesamte Golden Trail Series zu laufen.

Auch sonst sind Ultras ein großen Ziel für mich. Vielleicht steht nächstes Jahr schon die erste Strecke mit 50+km an.


Liebe Josefine, wir danken dir, für das sympathische und interessante Gespräch und wünschen dir eine erfolgreiche und verletzungsfreie Saison.

30.05.2022, Clara Koppenburg

Interview mit Franziska Strübin-Häring (Leitung Physiotherapie)

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Name: Franziska Strübin-Häring

Beruf: Physiotherapeutin

Wo bist du aufgewachsen? In der schönen Schweiz auf dem Land.

In der Crossklinik seit: 2012

Beschreibe dich selbst in 3 Worten: Unternehmenslustig, Zielstrebig und Engagiert


Wolltest du schon immer Physiotherapeut werden und was hat dich dazu bewegt?

Als ich ca. 6 Jahre alt war, durfte ich meinen Papi in die Physiotherapie begleiten. Er wurde behandelt und ich konnte als sportbegeistertes Kind im Trainingsraum herumtollen, weshalb ich diesen Beruf seit ich denken kann, ausüben will.


Wie war dein beruflicher Weg bis zu dem Zeitpunkt heute und wie bist du auf die Crossklinik gekommen?

Eines meiner Praktika im Bachelorstudiengang absolvierte ich in der Merian Iselin Klinik. Die Patienten der Crossklinik, welche stationär behandelt werden, werden in der Merian Iselin Klinik betreut. Dort empfand ich die Patienten der Crossklinik als äusserst freundlich und sportlich, weshalb ich erst auf die Crossklinik aufmerksam wurde. Danach war mir klar, dass ich mich dort bewerben möchte.

Nach dem Bachelorabschluss absolvierte ich die Sportphysio-, die manuelle therapie-, die Manuelle Lymphdrainage-, die Dry Needling-Ausbildung sowie Fortbildungen in der Didaktik, Qualitätsmanagement, Personalmanagement etc.

Dieser Weg führte mich nebst dem Master in physiotherapeutischer Rehabilitation noch dazu, dass ich in der manuellen Therapie sowie in der Sportphysiotherapie unterrichten kann.

Daneben schlug mein Herz immer für die Sportbetreuung, welche ich jahrelang ausgeübt habe (Basketball, Handball, Leichtathletik, Bob).


Was macht dir in der Crossklinik am meisten Spass?

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die kurzen Entscheidungswege sind grandios. Die Umgebung eines motivierten und innovativen Teams zu haben, ist tägliches Glück!


Wer war deine spannenste:r/aussergewöhnlichste:r Patient:in?

Da gibt es einige. Täglich habe ich mit tollen Persönlichkeiten und verschiedenen Rehabilitationswegen zu tun, was meinen Alltag abwechslungsreich und spannend gestaltet.

Ein aussergewöhnlicher Patient ist ein Herr, welcher 80 Jahre alt ist und jedes Jahr 2 Marathon läuft. Das beeindruckt mich stark.


Gibt es noch einen Bereich in der Physiotherapie, indem du dich noch weiter fortbilden möchtest?

Es gibt keinen Bereich der Physiotherapie, in welchem ich mich nicht noch mehr fortbilden möchte.

Ich brenne nach wie vor für diese Materie.


Welche drei Eigenschaften sollte man als Physiotherapeut deiner Meinung nach mitbringen?

Empathie/Ehrlichkeit, Geduld und Zuverlässigkeit.


Was machst du in deiner Freizeit?

Viel Zeit draussen verbringen, ob auf dem Tennisplatz, dem Wakeboard/Snowboard oder im Garten.


Was wissen die wenigsten über dich?

Dass ich täglich an meiner Ungeduld arbeite.


Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Ich hoffe, dass ich meinen Alltag so abwechslungsreich und selbstbestimmt gestalten kann, wie es im Moment der Fall ist.


Wenn du drei Wünsche frei hättest, welche wären das?

1. Mehr Zeit mit meiner Familie und Freunden verbringen zu können.

2. Mehr Zeit in meine Weiterbildungen investieren können.

3. Den jetzigen Moment mehr geniessen/wertschätzen können (geduldig und zufrieden sein).


Wie entspannst du dich am liebsten?

Siehe Freizeit.


Kurz und Knackig:

Kaffee oder Tee? Tee, aber eher selten.

Berge oder Strand? Unbedingt beides!

Serienmarathon oder dicker Schmöker? Beides nicht.

Disco oder Spieleabend? Mit Rhythmus im Blut muss das Tanzbein geschwungen werden.

Fleisch oder Gemüse? Sowohl als auch.

09.05.2022, Clara Koppenburg

Nordic Walking – weit mehr als ein «lahmer Hausfrauensport»

Nordic Walking

Belächelt und unterschätzt: Nordic Walking wird oft als einfacher «Hausfrauensport» eingestuft. Warum Nordic Walking durchaus als Leistungssport gesehen werden kann, welche gesundheitlichen Vorteile der Sport bietet und worauf es bei der Technik ankommt, erklären wir euch hier.


Hinter dem Namen Nordic Walking verbirgt sich nichts anderes als ein zügiges Gehen mit Stöcken. Bereits in den 50er Jahren wurde der Sport von nordischen Skilangläufern unter dem Namen Skigang betrieben. 1997 wurde Nordic Walking dann erstmals als Breitensport vorgestellt. Heute betreiben rund ein Fünftel der Deutschen den Sport.


Warum der Sport dennoch einen verschrienen Ruf hat, liegt vermutlich daran, da ein Grossteil, aufgrund mangelnder Technik, die Stöcke eher spazieren führt, anstatt sie aktiv einzusetzen. Bei richtigem Stockeinsatz und Koordination, dienen die Stöcke als zusätzliche Stabilität, wodurch die Laufgeschwindigkeit erhöht werden kann. Erst dann kann Nordic Walking als effektives Ganzkörpertraining angesehen werden. Während Radfahren und Joggen hauptsächlich die unteren Extremitäten beansprucht, wird beim Nordic Walking zusätzlich der ganze Oberkörper inklusive Arme und Nacken trainiert. Wie alle Ausdauersportarten wirkt sich Nordic Walking positiv auf das Herzkreislaufsystem, die Herzgefässe und den Blutdruck aus und verbessert die psychische Gesundheit. Da Nordic Walking eine besonders gelenkschonende und sanfte Bewegungsweise ist, wird es vor allem den Menschen geraten, die sich gerne draussen bewegen, Einsteiger im Ausdauersport sind oder aufgrund von Verletzungen nicht Joggen können. Aufgrund der leicht zu erlernenden Technik, der Flexibilität und Einfachheit und der günstigen Ausrüstung, eignet sich Nordic Walking als Sport für die Masse.


Um den gewünschten Trainingseffekt zu erzielen, sollte der genaue Bewegungsablauf in einem Kurs erlernt werden. Auch online Tutorials können weiterhelfen, um die richtige Technik zu erlernen. Das Wichtigste ist die Bewegung in der Kreuzform, das heisst Arme und Beine bewegen sich «über Kreuz». Auch sollten Stöcke und Fersen immer über Kreuz zeitgleich Bodenkontakt haben. Berührt die rechte Ferse den Boden, sollte der linke Stock Bodenkontakt haben. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass der Stock nicht zu weit vorn einsticht, da dies einen guten Abstoss verhindert. Die optimale Einstichstelle des Stockes liegt auf Höhe der gegenüberliegenden Ferse. Bei der Stockhaltung ist darauf zu achten, dass man diese nach dem Abstoss nicht mehr festhält, sondern nur noch locker in der Schleife trägt.


Um mit dem Nordic Walking anzufangen, braucht es lediglich Stöcke, gutes Schuhwerk und Sportkleidung. Bei den Stöcken ist darauf zu achten, dass es sich um Walking- und keine Trekkingstöcke handelt, da diese meist leichter sind und ein anderes Schlaufensystem aufweisen. Um die richtige Stocklänge zu ermitteln, dient die Faustregel: Körperhöhe x 0.7. Wichtiger als die Stockauswahl ist jedoch das richtige Schuhwerk. Hier lohnt es sich, eine Lauf- und Ganganalyse zu machen, um so den idealen Schuh zu finden. Der ideale Schuh sollte leicht und robust sein und die typische Abrollbewegung der Füsse unterstützen.


Kurz und knapp, warum Nordic Walking die perfekte Sportart für dich ist:

1. Unabhängig von Jahres-, Tageszeit, Wetter und Gelände

2. Hervorragend geeignet für Menschen mit sportlichem Handicap (Gewicht, Alter, Vorerkrankungen…)

3. Minimiert Risiko für Volkskrankheiten

4. Leicht erlernbarer Bewegungsablauf

5. In freier Natur, keine Gebühren für Mitgliedschaften etc.

6. Training von Unter- und Oberkörper

7. Erhöhter Kalorienverbrauch als beim Spazierengehen

8. Stöcke geben Spielraum für weitere Kräftigungsübungen

9. Kostengünstiges Material

10. Direkt ab der Haustür möglich


Bist du bereits begeisterter Nordic-Walker oder konnten wir dich neu begeistern?

Dann heisst es nur noch: an die Stöcke, fertig, los!

Egal auf welchem Leistungsniveau du dich befindest, wir bieten Gruppenkurse an, in denen wir gezielt auf eure Bedürfnisse eingehen. Schnuppert doch mal rein:

Mehr dazu auf findest du hier.

11.04.2022, Clara Koppenburg

Interview mit Michael Schmidt (Leitung Physiotherapie)

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Name: Michael Schmidt

Beruf: dipl. Physiotherapeut

Wo bist du aufgewachsen? Am Bodensee

In der Crossklinik seit: 01.01.2012

Beschreibe dich selbst in 3 Worten: Ambitioniert, pragmatisch und passioniert


Wolltest du schon immer Physiotherapeut werden und was hat dich dazu bewegt?

Zunächst wollte ich Medizin studieren (ich komme aus einer Medizinerfamilie) und habe zum «Zeitvertreib» mit Physiotherapie begonnen. Ich habe schnell gemerkt, dass die Physiotherapie genau meiner Vorstellung eines Berufsbildes entsprach und bin dann dabeigeblieben.


Wie war dein beruflicher Weg bis zu dem Zeitpunkt heute und wie bist du auf die Crossklinik gekommen?

Ich habe zuvor nach meinem Abschluss 8 Jahre in einer Rehabilitationsklinik für Orthopädie, Sportmedizin und Rheumatologie gearbeitet. Mir war das auf lange Sicht aber nicht befriedigend genug, da wir fast ausschliesslich stationäre Patienten betreut haben und man somit nie den Patienten bis zum Therapieabschluss begleiten konnte.


Was macht dir in der Crossklinik am meisten Spass?

Definitiv das interdisziplinäre Zusammenarbeiten mit den verschiedenen Bereichen, respektive mit Ärzten, Sportwissenschaftlern aber auch der HR-Abteilung, den Praxisassistentinnen oder den Mitarbeiterinnen vom Empfang. Ausserdem arbeite ich sehr gerne im Sport, da Bewegung und eben Sport schon immer meine Leidenschaft gewesen ist. Da ist mein Patientenklientel in der Crossklinik natürlich perfekt!


Wer war deine spannenste:r/aussergewöhnlichste:r Patient:in?

Ganz klar ein junger Patient, der nach einer langjährigen Phase mit Schmerzen und diversen Operationen schon fast den Mut und die Hoffnung verloren hatte, am Ende aber doch wieder zu seinem Sport zurückkehren konnte. Heute kann er sich wieder schmerzfrei Bewegen und spielt wieder Basketball. Ich konnte ihn massgeblich auf diesem Weg unterstützen und begleiten. Das sind Patienten, die bleiben für immer im Gedächtnis.


Gibt es noch einen Bereich in der Physiotherapie, indem du dich noch weiter fortbilden möchtest?

Das ist sicher die Osteopathie. Ausserdem aber ist es mir wichtig, dass ich die Zusatzqualifikationen, welche ich bereits erlangt habe, weiterhin verfolge und vertiefe. Ich möchte hier auf dem aktuellsten Stand bleiben.


Welche drei Eigenschaften sollte man als Physiotherapeut deiner Meinung nach mitbringen?

Gespür für Menschen, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, strukturiert Arbeiten zu können.


Was machst du in deiner Freizeit?

Westernreiten, Laufsport und Schwimmen. Im Winter Ski und Snowboard fahren sowie Langlaufen.


Was wissen die wenigsten über dich?

Ich laufe mit meinen zwei Brüdern jedes Jahr eine Woche auf dem Jakobsweg – wir machen immer wieder da weiter, wo wir aufgehört haben. In den letzten Jahren ist es leider häufig ausgefallen, aber wir werden irgendwann gemeinsam in Santiago de Compostela ankommen.


Wo siehst du dich in 10 Jahren?

Weiterhin glücklich in meinem Beruf.


Wenn du drei Wünsche frei hättest, welche wären das?

Einer würde reichen – Frieden auf der Welt!


Wie entspannst du dich am liebsten?

Ganz klar beim Sport in der Natur, auch wenn das für viele keine Entspannung sein mag.


Kurz und Knackig:

Kaffee oder Tee? Kaffee

Berge oder Strand? Strand

Serienmarathon oder dicker Schmöker? Serienmarathon

Disco oder Spieleabend? Weder noch.

Fleisch oder Gemüse? Gemüse. Ich lebe seit fast 30 Jahren fleischlos.

07.03.2022, Clara Koppenburg

Tag der gesunden Ernährung

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Gesunde Ernährung ist ein grosses Thema in unserer Gesellschaft. Sie ist ausschlaggebend für ein gesundes und langes Leben.

Um diesem noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken, hat der Verband für Ernährung und Diätetik (VFED) 1996 den 7. März als Tag der gesunden Ernährung ins Leben gerufen. Ziel ist es, das Thema der gesunden und bewussten Ernährung im Alltagsleben der Menschen, mit bundesweiten Aktionen, zu festigen.


Doch was zeichnet eine gesunde Ernährung aus und wie schaffen wir es, diese im Alltag umzusetzen?

Celine Matter, Ernährungswissenschaftlerin aus Basel, klärt auf:


Wie bist du auf die Thematik «gesunde Ernährung» gestossen?

Mit der Ernährung habe ich mich in meiner Jugend als Leichtathletin das erste Mal auseinandergesetzt und war aufgrund eines Leistungseinbruchs selbst bei der Ernährungsberatung.


Was bedeutet gesunde Ernährung für dich?

Gesunde Ernährung bedeutet für mich, dass abwechslungsreich und vielseitig gegessen wird und das keine Verbote bestehen. Das heisst, dass keine einzelnen Lebensmittel oder gar ganze Lebensmittelgruppen (z.B. Kohlenhydrate) aus der Ernährung verbannt werden oder man sich nichts Süsses mehr gönnt. Eine gesunde Ernährung ist für mich also eine verbotsfreie und möglichst vielseitige Ernährung.


Wie sollte eine gesunde und ausgewogene Ernährung im Alltag aussehen? Was sind die Basics?

Für eine gesunde Ernährung kann man sich an der Schweizer Lebensmittelpyramide orientieren. Diese kann als Grundlage genommen werden und individuelle Anpassungen vorgenommen werden, denn jede Person hat einen anderen Bedarf an Nährstoffen.


Wie finde ich heraus, welche Ernährung für mich die richtige ist?

Es hört sich vielleicht banal an, aber wir sollten dazu einfach auf unseren Körper hören. Unser Körper sagt uns sehr genau, wann wir mehr Energie benötigen oder wann wir z.B. zu wenig Kohlenhydrate zu uns genommen haben. Schwieriger ist es, diese Signale zu erkennen, da wir uns gewohnt sind unsere Ernährung von Diäten steuern zu lassen und Heisshunger auf Süsses als Disziplinlosigkeit anzusehen anstatt als ein Signal des Körpers, dass möglicherweise zu wenig Kohlenhydrate gegessen wurden.


Rätst du Männern und Frauen zu denselben Lebensmitteln?

Prinzipiell gibt es keinen Grund, dass Männer oder Frauen andere Produkte konsumieren sollten. Was sich unterscheidet ist jedoch meist der Energiebedarf, welcher bei Männern in der Regel höher ist. Dies bedeutet, dass Männer in den meisten Fällen mehr essen sollten.


Für viele ist gesunde Ernährung mit mehr Mühe und mehr Kosten verknüpft. Wie siehst du das?

Gesunde Ernährung kann einfacher sein als man denkt. Dazu muss auch nicht immer gekocht werden. Ein einfaches und dennoch ausgewogenes Essen ist zum Beispiel 1-2 Brötchen, 2 Karotten und etwas Kräuterquark zum Dippen. So kann auch in nur 5min schnell ein gesundes Menü entstehen. Wer lieber etwas warmes essen möchte kann auch gut auf Tiefkühlgemüse zurückgreifen. Dieses enthält nämlich genau gleich viele Vitamine und Mineralstoffe und das zeitaufwändige Rüsten fällt weg.


«In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist» - so das Sprichwort. Beeinflusst die Ernährung wirklich unser Wohlbefinden? Wie steht es um «gelegentliche Sünden»?

Absolut! Ohne bedarfsdeckende Ernährung funktioniert unser Körper nicht optimal. Dazu gehören auch süsse und salzige Snacks, die übrigens auch täglich eingebaut werden dürfen, ganz ohne schlechtes Gewissen. Wie bei fast allem geht es um die Balance zwischen den verschiedenen Produkten, wie auch der Energiezufuhr.


Als Ernährungsexperte, was sind deiner Meinung nach die grössten/ spannendsten Ernährungstrends der letzten Jahre? (Vegan, Paleo…)

Die Entwicklung, die ich aktuell am meisten antreffe, ist leider immer noch die ketogene Ernährung*, welche unserem Körper leider nicht alle Nährstoffe liefert, die er benötigt. Generell bin ich kein Fan von Diäten, welcher Art auch immer.

Ein weiterer Trend ist der zur pflanzenbetonten Ernährung. Dies macht aus Sicht der Nachhaltigkeit Sinn, jedoch gibt es auch da Formen, welche aus meiner Sicht bedenklich sind. Damit meine ich, dass bei einer pflanzenbetonten aber einseitigen Ernährung schnell mal Mangelerscheinungen auftreten können.


Was sind grössten/häufigsten Fehlannahmen/Lügen in der Ernährungsmedizin

Dass wir auf irgendetwas verzichten müssen, damit es uns besser geht. Und dass ein tieferes Gewicht bedeutet, dass eine Person gesünder ist. Die Gewichtsdiskriminierung nimmt in unserer Gesellschaft immer weiter zu was für mich erschreckend ist. Ein höheres Gewicht zu haben heisst nicht, dass eine Person weniger gesund lebt, da wird leider viel zu oft stigmatisiert.


Gefühlt hat heute jeder Zweite eine Glutenunverträglichkeit oder Laktoseintoleranz. Wie sind derlei Unverträglichkeiten aus ernährungswissenschaftlicher Sicht einzuordnen?

Die Laktoseintoleranz kommt in der Schweiz bei etwa 20% der Bevölkerung vor. Die Zöliakie, auch Glutenintoleranz, ist eine Autoimmunreaktion auf Gluten, einem Bestandteil in verschiedenen Getreidesorten. Eine Zöliakie besteht bei 1% der Schweizer Bevölkerung. Jedoch kann man davon ausgehen, dass auch eine tiefe Prozentzahl auf Weizenbestandteile reagiert, ohne unter einer Zöliakie zu leiden. Die hohen Zahlen, die man jedoch im Alltag hört, sind aus meiner Sicht unrealistisch. Im Beratungsalltag mit Sportler:innen erlebe ich immer wieder, dass die Energiezufuhr viel zu tief ist und ein sogenanntes RED-S besteht. Bei einem RED-S bekommt der Körper nicht genügend Energie und diverse Funktionen laufen im Sparmodus. Dazu gehört auch der Magen-Darmtrakt. Häufig habe ich bei diesen Personen erlebt, dass glutenhaltige Getreide und andere Produkte bei wieder bedarfsdeckender Energiezufuhr besser vertragen werden. «Schuld» an der Unverträglichkeit war in diesen Fällen nicht das Gluten, sondern die zu tiefe Energiezufuhr.


Gibt es eine besonders wichtige Regel oder einen Aspekt, den du Sportlern/ Nichtsportlern gerne mitgibst?

Seid achtsam. Das hört sich simpel an bringt aber unglaublich viel. Wenn wir auf unsren Körper hören und parallel eine vielseitige Ernährung ohne Verbote verfolgen, geht es uns meist körperlich wie auch psychisch besser.


Welchen Tipp kannst du unseren Lesen geben, den ersten Schritt in die richtige Ernährungsrichtung zu machen?

Verabschiedet euch von Empfehlungen, die Produkte verbieten. (Ausnahme gilt bei Krankheitsbildern, welche eine bestimmte Ernährungsweise benötigen wie z.B: eine glutenfreie Ernährung bei einer Zöliakie).


Herzlichen Dank Celine für das interessante Interview zum Thema «gesunde Ernährung».


Über Celine Matter

Seit ihrem Abschluss 2016 arbeitet Celine Matter als Ernährungswissenschaftlerin. Als ehemalige Leichtathletin gilt ihre Leidenschaft dem Sport, was sie zu ihrem Schwerpunkt der Sporternährung motiviert. Von 2017-2021 arbeitete sie in der Merian Iselin Klinik, wo sie verschiedene Sportler und Förderprogramme unterstützte. Seit 2021 arbeitet Celine als selbstständige Ernährungsberaterin bei «compeat nutrition» und wird noch dieses Jahr in die Crossklink Räumlichkeiten einziehen.


*Ketogene Ernährung: kohlenhydratarme (maximal 10% pro Tag), dafür fettreiche (60% pro Tag) Kost, die zu einer Umstellung des Energiestoffwechsels im Körper führt.

10.11.2021, Dr. Andreas Gösele-Koppenburg

Arthrose – Wenn Gelenke schmerzen

2018 19 01 November DE Medizin

Die Anzahl der Sportler mit degenerativen Gelenkserkrankungen (Arthrosen) hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Die Zunahme dieser Erkrankung erklärt sich nicht, weil wir heutzutage weniger belastungsfähig sind, sondern weil die Bevölkerungszahl stetig steigt und das Sterbealter in den letzten Jahrzehnten angestiegen ist. Gleichzeitig haben sich mit wachsender Technologisierung die körperlichen Belastungen vom Arbeitsplatz in den Freizeitbereich und hier vor allem in den Sport verlagert. Wir haben demzufolge eine Situation einer älter werden- den Gesellschaft, mit zunehmenden Erkrankungen des Bewegungsapparates, die gern Sport treiben möchte und dies aus medizinischer Sicht auch soll.


Was ist Arthrose?

Arthrose ist die weltweit häufigste Gelenkserkrankung. Wir gehen davon aus, dass rund 60 Prozent der älteren Bevölkerung davon betroffen ist. Aber es ist nicht nur eine Erkrankung der älteren Generation, es können auch schon junge Menschen Beschwerden haben. In diesem Fall vor allem nach Unfällen. Die Arthrose betrifft das ganze Gelenk. Das bedeutet, dass nicht nur der Knorpel betroffen ist, sondern auch der Knochen, die Gelenkkapsel und die Bänder. Es kommt zu einer Veränderung der Knorpelqualität und zu einer Verminderung der Knorpeldicke. Das Ganze ist begleitet von einer Entzündung, weshalb es auch praktisch immer zu einer Gelenksschwellung durch einen Gelenkserguss kommt. Mitunter empfindet man ein Hitzegefühl, wobei im Vordergrund der Beschwerden der Schmerz steht. Meist besteht ein Anlaufschmerz nach Sitzen und Liegen, aber auch ein Schmerz unter körperlicher Belastung und beim Sport. Mit der Zeit verdicken sich die Gelenke und die Beweglichkeit nimmt ab. Dadurch verkürzen sich Bänder und Muskulatur, was wiederum zu Beschwerden führen kann. Eine Spirale von negativen Effekten, die sich, wenn man nicht handelt, stetig verschlimmert.


Arthrose ist nicht gleich Arthrose ...

...Sport nicht gleich Sport. Die überwiegende Zahl der degenerativen Gelenkserkrankungen betrifft die unteren Extremitäten. Im Vordergrund stehen die Hüft- und Kniegelenke. Männer leiden häufiger an Arthrosen der Hüftgelen- ke (Coxarthrose) und Frauen an degenerativen Erkrankungen der Kniegelenke (Gonarthrose). Die Ursachen an einer Arthrose zu erkranken sind vielfältig und oft auch nicht eindeutig identifizierbar. Wenn beispielsweise jemand bereits in jungen Jahren eine schwere Knieverletzung erlitten hat und nur noch Reste eines Meniskus aufweist oder gar einen Kreuzbandschaden erlitten hat, so wächst das Risiko für eine degenerative Gelenkserkrankung. Das Gleiche gilt für Fehlstellung der Gelenke nach Brüchen oder Wachstumsstörungen. Häufig jedoch gibt es keine unmittelbare Ursache, und wir gehen heutzutage davon aus, dass es auch eine genetische Komponente gibt, die eine gewisse Veranlagung zur Arthrose mit sich bringt.


Viele Ursachen

Sekundäre Faktoren wie Übergewicht und Diabetes beeinflussen die Entstehung von Arthrosen in deutlichem Masse. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Übergewicht nicht nur zu einer rein mechanischen Mehrbelastung der Gelenke der unteren Extremitäten führt, wie das zunächst anzunehmen wäre, sondern auch zu Arthrosen von Gelenken, die nicht primär durch das Gewicht beeinflusst werden (Hand und Finger). Die weit verbreitete Annahme, dass Sport und vor allem «zu viel Sport» den Gelenken schade, stimmt so nicht.

Es gibt sehr gute, neuere Studien an Marathonläufern, die über Jahrzehnte ihren Sport ausüben und eine deutlich grössere Knorpeldicke aufweisen als die «unsportliche» Vergleichsgruppe. Wenn allerdings beim Sport eine Gelenks- oder Knochenverletzung auftritt, dann kann das Risiko für eine spätere Arthrose steigen.

Fehlbelastungen, falsches Material (zum Beispiel falsche oder abgetragene Laufschuhe), aber auch Trainingsfehler können Arthrosen zwar nicht auslösen, das Entstehen einer degenerativen Gelenkserkrankung jedoch beschleunigen. Ungünstige anatomische Verhältnisse wie extreme O- oder X-Beine tragen ihr Übriges dazu bei.


Viele Multiplikatoren

Häufig findet man auch Kombinationen von Übergewicht, Achsenfehlstellungen sowie genetischen Faktoren, die sich dann nicht nur zu einem Problem addieren, sondern gar multiplizieren.

Ungeachtet all der genannten Faktoren ist und bleibt Sport gesund und wird von uns Sportmedizinern sehr befürwortet. Letztlich ist es das Mass oder wie man in der Medizin so schön sagt die Dosis, die darüber entscheidet, ob sportliche Aktivitäten gut sind oder aber zu Verletzungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates führen können. Wir Ärzte sind somit in der Pflicht, unsere Patienten hinsichtlich ihrer sportlichen Aktivität zu beraten und fungieren in gewisser Hinsicht immer mehr auch als «Gesundheitscoach».

Auf jeden Fall sollten Sie sich aufgrund der Tatsache, an einer Arthrose eventuell zu erkranken, nicht vom Sport abhalten lassen. Sie sollten sich weiterhin ihrer Lieblingsbeschäftigung hingeben. Wie man nun Sport betreibt, wenn man bereits eine Arthrose oder eine Gelenksprothese hat, das erfahren Sie in den nächsten Ausgaben.

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